Seite auswählen
Stiftung und Stiftungsgründung — eine Übersicht

Stiftung und Stiftungsgründung — eine Übersicht

Häu­fig tra­gen sich Men­schen mit dem Gedanken, der Welt mit Ihrem Ver­mö­gen etwas wieder zu geben. Die Grün­dung ein­er eige­nen Stiftung kann ein Weg sein, die eige­nen Werte und Vorstel­lun­gen dauer­haft zu fördern und zu erhal­ten.

Die Stiftung ist ein zweck­ge­bun­denes Ver­mö­gen mit dem Ziel, den Stiftungszweck zu fördern. Unter­schieden wer­den die pri­va­trechtliche sowie die öffentlich-rechtliche Stiftung. In Deutsch­land ist der über­wiegende Anteil der pri­va­trechtlichen Stiftun­gen nach den Bes­tim­mungen der Abgabenord­nung, kurz AO, gemein­nützig.

Wichtige Vorteile für die gemein­nützige Stiftung sind die Steuer­frei­heit ihrer Erträge sowie das Recht zum Ausstellen von steuer­abzugs­fähi­gen Spenden­quit­tun­gen. Die Lebens­dauer ein­er Stiftung kann sowohl zeitlich begren­zt als auch unbe­gren­zt, also dauer­haft sein.

Mit Inhalt und Zweck der Stiftungssatzung kann der Stifter seine eige­nen indi­vidu­ellen Vorstel­lun­gen nahezu Eins zu eins in die Stiftung ein­brin­gen. Dazu bietet das deutsche Stiftungsrecht vielfältige Rechts- und Gestal­tungsmöglichkeit­en.

Stiftung gründen — die gewünschte Rechtsform wählen

Unter den prak­tik­ablen Rechts­for­men ein­er Stiftung von der GmbH über den Vere­in bis zur Treuhand­s­tiftung oder rechts­fähi­gen BGB-Stiftung fällt der Blick zunächst auf die rechts­fähige Stiftung bürg­er­lichen Rechts. Diese erhält ihre Rechts­fähigkeit durch die förm­liche Anerken­nung der örtlich zuständi­gen Stiftungs­be­hörde. Zu den formellen Voraus­set­zun­gen gehören die Stiftung­surkunde als Stiftungs­geschäft sowie die Stiftungssatzung. In dieser Rechts­form ist die Stiftung rechts- und geschäfts­fähig.

Eine deut­liche ein­fachere und meist prak­tik­able Form der Stiftung davon ist die rechtlich unselb­st­ständi­ge Treuhand­s­tiftung. Dem Treuhän­der wird vom Stifter per Ver­trag oder Tes­ta­ment das Stiftungsver­mö­gen zur treuhän­derischen Ver­wal­tung auf einen Treuhän­der über­tra­gen.

Der Treuhän­der muss das Stiftungsver­mö­gen sep­a­rat von seinem eige­nen Ver­mö­gen ver­wal­ten. Treuhän­der kann sowohl eine natür­liche als auch eine juris­tis­che Per­son des Pri­va­trechts sein. Im Übri­gen gel­ten für diese Stiftungs­form diesel­ben formellen Voraus­set­zun­gen und Anforderun­gen wie für die rechts­fähige Stiftung des bürg­er­lichen Rechts. Von außen ist eine Unter­schei­dung oft kaum möglich.

Gut Ding braucht Weile – gründliche Vorbereitung einer Stiftungsgründung

Die Stiftungs­grün­dung ist oft eine ein­ma­lige Entschei­dung des Stifters. Mit ihr ver­bun­den sind Renom­mee, gesellschaftliche Anerken­nung und – je nach Aus­gestal­tung – finanzieller sowie organ­isatorisch­er Aufwand. Die ein­mal gegrün­dete Stiftung muss so struk­turi­ert sein, dass sie auf Jahre und Jahrzehnte hin­aus arbeits‑, in dem Sinne lebens­fähig ist.

Viele der ein­mal getrof­fe­nen Entschei­dun­gen sind dauer­haft gültig und nicht rück­gängig zu machen. Insofern ist es empfehlenswert, sich mit der Grün­dung aus­re­ichend Zeit zu lassen. Erst wenn alle Fra­gen beant­wortet sind, sollte das Stiftungs­geschäft umge­set­zt wer­den.
Dazu einige wichtige Details in Kürze.

Stiftungsvermögen

Der Stiftungswert Das einge­brachte Ver­mö­gen muss so hoch sein, dass die rechtlich selb­st­ständi­ge Stiftung kaufmän­nisch betrieben wer­den oder anders gesagt sich selb­st unter­hal­ten kann.

Erforder­lich ist dazu erfahrungs­gemäß das fün­f­stel­lige Stiftungsver­mö­gen im mit­tleren Bere­ich und aufwärts. Eine geset­zliche Min­destvor­gabe wie beispiel­sweise für die GmbH gibt es nicht. Ein weit­er­er Aspekt sind die jährlichen Stiftungserträge, die gemäß dem Stiftungszweck den Des­ti­natären zur Ver­fü­gung ste­hen sollen.

Die Treuhand­s­tiftung stellt hier eine wichtige Alter­na­tive dar, die bere­its mit sehr viel gerin­gerem Kap­i­tal ein­gerichtet wer­den kann.

Name und Dauer der Stiftung

In sein­er Namenswahl ist der Stifter frei. Für eine Fam­i­lien­s­tiftung ergibt sich der Stiftungsname von selb­st. Üblich und gewün­scht ist es, dass der Name des Stifters in den Stiftungsna­men inte­gri­ert wird.

Eine andere Möglichkeit zur Namensge­bung ist der Stiftungszweck. Bei Grün­dung der Stiftung wird auch entsch­ieden, ob das Stiftungsver­mö­gen dauer­haft erhal­ten bleiben oder aufge­braucht wer­den soll respek­tive kann.

Ort von Stiftungsgründung und Stiftungssitz

Jede rechts­fähige Stiftung arbeit­et besten­falls eng und ver­trauensvoll mit der zuständi­gen Stiftungs­be­hörde zusam­men. Rechts­grund­lage ist das Stiftungs­ge­setz des jew­eili­gen Bun­des­lan­des; Stiftungsrecht ist also Lan­desrecht.

Für eine über­re­gion­al tätige Stiftung kön­nen die Behör­den mehrerer Bun­deslän­der mit jew­eils eige­nen, also unter­schiedlichen Grund­la­gen wie Gesetz, Recht­sprechung sowie Recht­sauf­fas­sung zuständig sein. Die behördliche Stiftungsauf­sicht ist Ansprech­part­ner für die Satzung, den Stiftungszweck sowie in Fra­gen des gesamten oper­a­tiv­en Stiftungs­geschäftes.

Wen soll die Stiftung begünstigen / der Stiftungszweck

Es muss in der Stiftungssatzung ganz zweifels­frei geregelt sein, wer in welchem Umfange und auf welche Weise mit den Stiftungserträ­gen begün­stigt wird.

Stiftungsgremien

Geset­zlich vorgeschrieben ist für rechts­fähige Stiftun­gen mit dem Stiftungsvor­stand lediglich ein Gremi­um. In der Stiftung­sprax­is hinge­gen sind mit dem oper­a­tiv­en Vor­stand und dem kon­trol­lieren­den Auf­sicht­srat zwei Gremien die gängige Prax­is.

Bei größeren bis großen Stiftun­gen ist der mehr- oder vielköp­figer Beirat ein drittes, eher bera­ten­des Stiftungs­gremi­um. Kri­te­rien für Nominierung und Beset­zung sind Rep­u­ta­tion, Sach- sowie Fachkom­pe­tenz und in der Fam­i­lien­s­tiftung eine engere bis ent­fer­n­tere Fam­i­lien­zuge­hörigkeit. Außer der Fam­i­lien­s­tiftung sind in den anderen Stiftun­gen die Gremien Beirat und Auf­sicht­srat oft­mals ein Who‘s who aus dem gesellschaftlichen Umfeld des Stiftungszwecks.

Stiftungsauflösung

Die Stiftungsauflö­sung ist mit der Auflö­sung eines gemein­nützi­gen Vere­ins ver­gle­ich­bar. In der Satzung kann vor­ab fest­gelegt sein, wie mit dem Stiftungsver­mö­gen bei Stiftungsauflö­sung ver­fahren wer­den soll. Ist das nicht geschehen, dann gilt das Stiftungs­ge­setz desjeni­gen Bun­des­lan­des, in dem die Stiftung ihren Sitz gehabt hat.

Die formellen Voraus­set­zun­gen zur Stiftungsauflö­sung sind in der Stiftungssatzung näher geregelt. Anlass für die Auflö­sung ein­er wirtschaftlich nicht gesun­den Stiftung kann auch die Zahlung­sun­fähigkeit mit der Folge ein­er Stiftungsin­sol­venz sein; das ist allerd­ings eine absolute Aus­nahme unter den zig­tausenden bun­desweit­en Stiftun­gen.

Die meis­ten von ihnen sollen oder brauchen nicht aufgelöst zu wer­den. Sie wer­den durch den Stiftungsvor­stand pro­fes­sionell geführt und sind im Übri­gen mit einem aus­re­ichend hohen Stiftungsver­mö­gen aus­ges­tat­tet, um die Stiftungskosten zu finanzieren und Zahlun­gen an die Des­ti­natäre zu leis­ten.

Rechtsgrundlagen der Stiftung – Satzung und Urkunde

In dem Stiftungs­geschäft, das umgangssprach­lich als Stiftung­surkunde beze­ich­net wird, erk­lärt der Stifter in schriftlich­er Form seinen Willen, das Stiftungsver­mö­gen in der genau beze­ich­neten Höhe zur Erfül­lung des vorgegebe­nen Stiftungszweck­es der Stiftung zu wid­men. Im direk­ten Zusam­men­hang damit, sozusagen als Junk­tim ste­ht die Stiftungssatzung. Das Stiftungs­geschäft muss schriftlich erfol­gen, es muss jedoch nicht notariell beurkun­det wer­den.

Sofern zum Stiftungs­geschäft ein Grund­stücks­geschäft mit Ein­tra­gung im Grund­buch gehört muss dieser Teil­bere­ich, so wie jed­er andere Grund­stücksver­trag auch, notariell beurkun­det wer­den. Wird die Stiftung „von Todes wegen“ vorgenom­men, dann muss das Stiftungs­geschäft ein Bestandteil von Tes­ta­ment oder von Erb­ver­trag sein. In solchen Fällen emp­fiehlt sich die Ein­set­zung eines Tes­ta­mentsvoll­streck­ers.

Die Stiftung entste­ht und erlangt ihre Rechts­fähigkeit mit der Anerken­nung durch die örtlich zuständi­ge Stiftungs­be­hörde. Die Stiftungssatzung ist ein zwin­gen­der Bestandteil des Stiftungs­geschäftes. Im Anschluss an diesen „Stiftungsakt“ ist die Stiftung dem direk­ten Ein­fluss­bere­ich des Stifters ent­zo­gen, sie ist von ihm völ­lig unab­hängig. Das bes­tim­mende und entschei­dende Gremi­um ist jet­zt der Vor­stand. Der Stifter kann sich in der Stiftungssatzung ein Veto, ein Allein- oder Mitentschei­dungsrecht bei bes­timmten Entschei­dun­gen der Stiftung­sor­gane vor­be­hal­ten.

Stiftung und behördliche Stiftungsaufsicht

Die rechts­fähige Stiftung wird von der zuständi­gen Stiftungs­be­hörde anerkan­nt. Eine Genehmi­gungspflicht gibt es heutzu­tage nicht mehr. Die Anerken­nung ist ein rechtsmit­telfähiger behördlich­er Ver­wal­tungsakt. Das Miteinan­der zwis­chen Stiftung und Stiftungsauf­sicht sollte möglichst rei­bungs­los bis har­monisch ver­laufen.

Um das ab dem Anerken­nungszeit­punkt zu gewährleis­ten emp­fiehlt es sich, Wort­laut und Inhalt des Stiftungs­geschäftes neb­st Stiftungssatzung im Vor­feld des Anerken­nungsantrages ein­vernehm­lich abzus­tim­men. Zu den Rechts­grund­la­gen für Stiftung & Auf­sicht gehören die §§ 80 ff BGB, des Bürg­er­lichen Geset­zbuch­es.

Der Stifter kann das vorgenommene Stiftungs­geschäft solange ein­seit­ig wider­rufen, bis es durch die Stiftungs­be­hörde als rechtlich selb­st­ständi­ge Stiftung anerkan­nt ist. Anschließend muss der Stifter gemäß § 82 BGB das im Stiftungs­geschäft beze­ich­nete Ver­mö­gen auf die Stiftung über­tra­gen. Jet­zt gibt es für ihn kein Zurück mehr.

Stiftung und örtliche Finanzbehörde

Auch in der Zusam­me­nar­beit mit der Finanzver­wal­tung bietet sich für die Stiftung ein Ver­gle­ich mit dem gemein­nützi­gen Vere­in, dem e.V. an. Der ganz über­wiegende Sinn von Stiftun­gen ist deren Gemein­nützigkeit nach der AO. Damit ent­fällt eine Steuerpflicht für Körperschafts‑, für Gewerbe sowie in weit­en Bere­ichen für die Mehrw­ert­s­teuer. Voraus­set­zung für diese Steuer­erle­ichterun­gen ist die Gemein­nützigkeit von Zweck und Zielset­zung der Stiftung.

Konkretes dazu wird in der Stiftungssatzung definiert, ähn­lich der Vere­inssatzung. Die Zusam­me­nar­beit mit dem Finan­zamt wird in den Bun­deslän­dern unter­schiedlich gehand­habt. Entwed­er wird die Anerken­nung der Gemein­nützigkeit während des laufend­en Anerken­nungsver­fahrens bei der Stiftungsauf­sicht bear­beit­et und entsch­ieden oder erst im Nach­hinein, also nach der rechts­fähi­gen Stiftungsan­erken­nung. Die Gemein­nützigkeit ein­er Stiftung hat immer Wirkung zu allen Seit­en hin, und zwar

  • im Innen­ver­hält­nis für die Stiftung selb­st
  • im Außen­ver­hält­nis gegenüber
  • dem Stifter
  • den Des­ti­natären
  • Spendern mit der Ausstel­lung ein­er steuer­abzugs­fähi­gen Spenden­quit­tung

Sofern die rechts­fähige Stiftung nicht als gemein­nützig anerkan­nt ist, ent­fall­en sämtliche Steuer­vorteile und Steuer­ent­las­tun­gen. Für das über­tra­gene Stiftungsver­mö­gen wird in diesem Fall eine Schenkungss­teuer fäl­lig.

 

Resümee

  • Die Stiftung ist heutzu­tage mehr denn je eine eben­so beliebte wie gefragte Chance, um pri­vates Ver­mö­gen einem öffentlichen, guten, mildtäti­gen oder ganz all­ge­mein gemein­nützi­gen Zweck ver­füg­bar zu machen.
  • Möglich ist das sowohl mit ein­er Treuhand­s­tiftung als auch mit der rechts­fähi­gen Stiftung bürg­er­lichen Rechts
  • Schon mit ein­er rel­a­tiv niedri­gen Anlage­summe kann in ein­er gemein­nützi­gen, treuhän­derisch ver­wal­teten Stiftung buch­stäblich Gutes getan wer­den
  • Die Stiftung sollte nicht als Steuerspar­mod­ell gese­hen wer­den; den­noch bietet sie finanzielle Vorteile für alle Beteiligten und Betrof­fe­nen
  • Eine Stiftung­sein­lage ist kein Anlage­in­stru­ment, wie es von den Banken und Sparkassen verkauft wird. Insofern führt die Stiftungs­ber­atung durch Kred­itin­sti­tute häu­fig zu einem Inter­essen­skon­flikt
  • Viele Stiftun­gen gel­ten als ewige Organ­i­sa­tion mit ein­er oft­mals jahrhun­derte­lan­gen Exis­tenz. Die bei­den Haupt­gründe dafür sind der dauer­hafte Erhalt des Stiftungsver­mö­gens sowie eine vielfach starre Stiftungssatzung, die kaum Änderun­gen oder zeit­gemäße Anpas­sun­gen ermöglicht
  • Der Erhalt per­sön­lich­er Wertvorstel­lun­gen, die Wahrung eines Lebenswerkes bis hin zu Net­work­ing in einem Stiftungs­gremi­um oder zur Social Posi­tion in Jurys, bei Preisver­lei­hun­gen sind einige der ideellen Mehrw­erte für den Stifter
Impact Investing — So können Stiftungen (mehr) Gutes tun

Impact Investing — So können Stiftungen (mehr) Gutes tun

Ziele des Impact Investments

Nicht nur mit den Erträ­gen, son­dern schon mit der Kap­i­ta­lan­lage Gutes tun: Stiftun­gen ori­en­tieren sich daran, ihre gesellschaftliche Wirkung zu steigern und gemein­nützige Gelder für den guten Zweck einzuset­zen. In Zeit­en geringer Zin­sen ist es häu­fig schw­er, soziale Impulse nur mit erwirtschafteten Erträ­gen des Kap­i­tals zu erre­ichen. Eine Möglichkeit, die Ziele der Stiftung zu erre­ichen und gle­ichzeit­ig wirtschaftlich zu han­deln, ist Impact Invest­ing, der Ein­satz der Kap­i­ta­lan­lage selb­st zur Erre­ichung der Stiftungsziele.
 
Dieses wirkung­sori­en­tierte Invest­ment ist so gestal­tet, dass der finanzielle Ein­satz wieder erwirtschaftet und eventuell sog­ar gewinnbrin­gend angelegt wird. Dabei investiert man auss­chließlich in Unternehmen und Pro­jek­te, mit denen die Stiftungsziele erre­icht oder zumin­d­est nach­haltig unter­stützt  wer­den.
 

Wirksamkeit sozialer Investments

Die klas­sis­che Kap­i­ta­lan­lage ist allein auf den Gewinn aus­gelegt. Die Spende unter­stützt den sozialen Wan­del. Impact Invest­ments verbinden diese bei­den Zweige und stoßen gesellschaftliche Verän­derun­gen an, ohne auf den Kap­i­ta­lansatz zu verzicht­en. Ins­beson­dere Stiftun­gen, die ihre Gelder gemäß ihrer Satzung ein­set­zen wollen, kommt das ent­ge­gen.

Wer das Stiftungskap­i­tal wirkung­sori­en­tiert anlegt, läuft nicht Gefahr, in Fonds zu investieren, die indi­rekt die Ziele der Stiftung tor­pedieren. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Unternehmen unter­stützt wer­den, die sich nicht im Sinne der Stiftung ver­hal­ten. Während “ethis­che Investi­tio­nen” nur Unternehmen auss­chließen, die der Umwelt oder Men­schen schaden, wird beim Impact Invest­ing das Wirkungsziel zur Strate­gie und das Invest­ment darauf aus­gerichtet. Anhand der definierten Ziele wer­den die sozialen Erfolge regelmäßig gemessen.

Höhe des sozialen Investments

Für Stiftun­gen ist es beson­ders wichtig, nicht in riskante Pro­jek­te zu investieren. Das Stiftungskap­i­tal darf nicht gefährdet wer­den. Start-Up-Unternehmen und neue Pro­duk­tideen sind also nicht ide­al, um das Geld einzuset­zen. Aus diesem Grund scheuen viele kleine Stiftun­gen soziale Invest­ments. In der Tat sind die genan­nten Ein­satzge­bi­ete eher für finanzs­tarke Part­ner mit unge­bun­den­em Kap­i­tal geeignet. Doch es gibt auch Impact Invest­ments, die mit einem kleinen finanziellen Ein­satz auskom­men. Die Div­i­dende wirkung­sori­en­tiert­er Invest­ments — selb­st mit geringem Risiko — über­steigt meist die Guthaben-Zin­sen bei der Bank. Rück­la­gen kön­nen wach­sen. Das ist unab­hängig davon, ob man 400, 4000 oder 400.000 Euro ein­zahlt. Der Gewinn fließt regelmäßig.

Möglichkeiten für wirkungsorientierte Investitionen

Es gibt mehrere Möglichkeit­en der wirkung­sori­en­tierten Anlage­form. Eine ist die Direk­t­in­vesti­tion in Unternehmen, die sich den Stiftungszie­len wid­men, etwa dem Umweltschutz, dem sozialen Wan­del oder der Bil­dung. Allerd­ings haben kleine Stiftun­gen hier­bei oft keine Erfahrung und auch keine Man­pow­er, um das Direk­t­in­vest­ment fachkundig zu betreuen.

Spezielle Impact-Invest­ing-Fonds sind hier die ein­fachere Vari­ante. Sie wer­den von Fond­man­agern betreut, die sich ausken­nen und regelmäßige Berichte abliefern. Auch Bonds für soziale oder umwelt­fre­undliche Aktio­nen und Pro­jek­te sind eine Möglichkeit des Invest­ments. Die zin­stra­gen­den Wert­pa­piere sor­gen für einen finanziellen Ertrag, während das Geld für stiftungsrel­e­vante Zwecke einge­set­zt wird. Auch in Sach­w­erte wie Immo­bilien kön­nen kleine Stiftun­gen investieren, etwa mit Blick auf die Energieef­fizienz oder die Nutzung. Wichtig ist auch hier der Bezug zu den Stiftungszie­len.

Stiftungsvermögen und Fördermittel

Selb­stver­ständlich sind auch beim wirkung­sori­en­tierten Invest­ment die Stiftungssatzung und die Geset­ze des Stiftungs- und des Gemein­nützigkeit­srechts zu beacht­en. Hohe finanzielle Risiken sind somit aus­geschlossen und die Stiftungsziele müssen trotz Invest­ment mit dem vorhan­de­nen Ver­mö­gen erre­ich­bar sein. Wirkung­sori­en­tierte Invest­ments sind unter Berück­sich­ti­gung der Anlagerichtlin­ien grund­sät­zlich mit dem Stiftungsver­mö­gen und mit För­der­mit­teln möglich. Ver­ant­wortliche soll­ten hierzu die Anlagerichtlin­ien prüfen und gegebe­nen­falls über­ar­beit­en lassen.

Auch die Auf­sichts­be­hör­den soll­ten über die Anlage­form informiert wer­den, bevor es los­ge­ht. Besten­falls wird ein Experte befragt, denn es gibt einige Details zu beacht­en. So dür­fen Investi­tio­nen aus För­der­mit­teln beispiel­sweise nur an gemein­nützige Organ­i­sa­tio­nen fließen.

Die 17 Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung

Stiftun­gen haben es angesichts der zahlre­ichen Möglichkeit­en zum wirkung­sori­en­tierten Kap­i­talein­satz heute leicht, ein passendes Pro­jekt zu find­en. Der zu wäh­lende The­men­bere­ich ist natür­lich von den Stiftungszie­len abhängig. Auf der UNO-Vol­lver­samm­lung 17 Ziele fest­gelegt, die auch für ein Impact-Invest­ing rel­e­vant sind. Sie reichen von nach­haltiger Land­wirtschaft über Bil­dung und Gesund­heit bis hin zur Armuts­bekämp­fung und zur Wasserver­sorgung. Die Ziele im Einzel­nen:

  • Armut beseit­i­gen
  • Ernährung sich­ern
  • Gesun­des Leben ermöglichen
  • Bil­dung für alle fördern
  • Gle­ich­stel­lung der Geschlechter erre­ichen
  • Wass­er und San­itärver­sorgung gewährleis­ten
  • Zugang zu bezahlbar­er, ver­lässlich­er Energie schaf­fen
  • Men­schen­würdi­ge Arbeit für alle fördern
  • Nach­haltige Indus­tri­al­isierung unter­stützen
  • Ungle­ich­heit ver­ringern
  • Nach­haltige und sichere Städte und Sied­lun­gen
  • Nach­haltige Kon­sum- und Pro­duk­tion­sweisen sich­er­stellen
  • Kli­mawan­del und seine Auswirkun­gen bekämpfen
  • Nach­haltige Nutzung der Meere
  • Landökosys­teme schützen
  • Frieden, Gerechtigkeit und starke Insti­tu­tio­nen schaf­fen
  • Glob­ale Part­ner­schaft stärken

Wirkung von Impact Investments messen

Eben­so wichtig wie die Wahl des Invest­ment-Pro­jek­ts ist die Mes­sung der Wirk­samkeit sozialer Invest­ments. Finanziell ist das recht ein­fach. Die soziale Wirk­samkeit hinge­gen lässt sich zunächst nicht ein­fach mit Zahlen nach­prüfen. Um die Voraus­set­zun­gen für Wirkungsnach­weise zu schaf­fen, müssen zunächst die Eck­punk­te definiert wer­den. Dies geschieht in der Regel mit ein­er Wirkungstreppe. Was muss wann bei wem erre­icht wer­den, um welche Wirkung zu erzie­len? In der Basis kön­nte das zum Beispiel sein, die Ziel­gruppe zu erre­ichen und Aktio­nen nach Plan durchzuführen. Erst dann wird die anvisierte Wirkung umris­sen. Hier geht es bei sozialen Pro­jek­ten zum Beispiel darum, dass sich das Bewusst­sein für ein Prob­lem ändert, dass die Ziel­gruppe ihr Han­deln ändert, dass Lebenssi­t­u­a­tio­nen sich verbessern und die Gesellschaft sich wan­delt.

Wirkungsziel und Invest­ment müssen dabei natür­lich in seinem gesun­den Ver­hält­nis ste­hen und die Indika­toren für die Mes­sung müssen real­is­tisch aus­fall­en. Lei­der lässt sich nicht immer alles genau messen, zumal Verän­derun­gen Zeit brauchen und Impact Invest­ments sehr langfristig wirken. Den­noch sind Analy­sen möglich, an denen sich die Stiftung ori­en­tieren kann.

Kriterien für die Auswahl des Impact-Investment-Projekts

In erster Lin­ie sind die Stiftungsziele auss­chlaggebend für das passende Pro­jekt beim Direk­t­in­vest­ment. Darüber hin­aus kön­nen sich Ver­ant­wortliche bei der Auswahl an eini­gen Punk­ten ori­en­tieren. So ist es zum Beispiel wichtig, dass das Pro­jekt praxis­er­probt ist und zur Ziel­gruppe durch­dringt. Nur wenn die Ziel­gruppe sich ange­sprochen fühlt, ist ein Wirkung zu erzie­len. Basieren die geplanten Hand­lungss­chritte auf Erfahrung, ist der Erfolg wahrschein­lich­er. Außer­dem sind eine hohe Kom­pe­tenz auf Führungsebene und eine klare Struk­tur im Ablauf gute Indika­toren für erfol­gsver­sprechende Pro­jek­te. Auch Finanzierungskonzepte und Kon­trollmech­a­nis­men dür­fen nicht fehlen. Trans­parenz und Öffentlichkeit­sar­beit unter­stützen das Pro­jekt und tra­gen zu guten Ergeb­nis­sen und Akzep­tanz bei.

Beim Social-Impact-Bond bilden die öffentliche Ver­wal­tung, Sozial­dien­stleis­ter und Kap­i­tal­ge­ber eine Gemein­schaft. Die Stiftung gibt hier also einen sozialen Wirkungskred­it, dessen Rah­menbe­din­gun­gen vorher fest­gelegt wer­den. Hier müssen Ver­ant­wortliche prüfen, ob die Investi­tion mit den Anlagerichtlin­ien der Stiftung kom­pat­i­bel ist. Die Ergeb­nisse des Pro­jek­ts wer­den von einem Gutachter beurteilt.

Green-Bonds, die für Stiftun­gen aus dem Umwelt­bere­ich inter­es­sant sind, wer­den in Deutsch­land zum Beispiel von der Kred­i­tanstalt für Wieder­auf­bau auf den Markt gebracht. Die grü­nen Anlei­hen entsprechen in der Hand­habung nor­malen Staat­san­lei­hen oder Unternehmen­san­lei­hen. Green Bonds soll­ten aber dem frei­willi­gen Stan­dard der Green Bond Prin­ci­ples (GBP) gerecht wer­den. Hier kön­nen sich Ver­ant­wortliche erkundi­gen, ob die Ein­hal­tung offen­gelegt wird, obwohl der Nach­weis nicht verpflich­t­end ist. Wer in klas­sis­che Fonds investieren möchte und sich nicht gut damit ausken­nt, sollte einen Experten um Rat fra­gen, der aktuelle Möglichkeit­en und Anbi­eter im Blick hat.

 

Workshop zum Impact Investment

Workshop zum Impact Investment

Am 12. März 2019 fiel in der Sky­lounge des Lilien­thal­haus­es der Startschuss für eine beson­dere Zusam­me­nar­beit.

Impact Invest­ment — ein Begriff mit vie­len Def­i­n­i­tio­nen. Was umfasst Impact Invest­ment? Was ist das Ziel und wie lässt es sich erre­ichen? Lassen sich finanzielle und soziale Ren­dite miteinan­der vere­in­baren?

Diese und viele weit­ere Fra­gen wur­den am 19.03.2019 im Lilien­thal­haus am Forschungs­flughafen in Braun­schweig disku­tiert. In Zusam­me­nar­beit mit dem Insti­tut für Infra­struk­tur- und Immo­bilien­man­age­ment (IIM) der TU Braun­schweig und der blue­o­r­ange Devel­op­ment Part­ner GmbH wer­den wir das The­ma part­ner­schaftlich weit­er erar­beit­en. Seien Sie ges­pan­nt auf die weit­ere Entwick­lung!